Bei dem Studium von Stammtafeln und Gesundheitsdaten ist mir aufgefallen, dass es immer mal wieder Hunde mit ziemlich schlechten Hüften gibt, obwohl beide Eltern gute Hüften (A) hatten. Wie kann das eigentlich sein? Wieso gibt es überhaupt noch Hunde mit schlechten Hüften, da seit einigen Jahrzehnten zumindest von verantwortungsbewussten Züchtern nur Hunde mit guten Hüften zur Zucht eingesetzt werden?

Ich habe eine sehr interessante Webseite über dieses Thema gefunden, die ich hier zusammengefasst und übersetzt wiedergeben möchte. Ich möchte gerne dazu beitragen, dass mehr Leute hierüber Bescheid wissen und somit das Auftreten dieser schlimmen Krankheit vermindert werden kann.

Alle Welpen werden mit perfekten Hüften geboren.
Es wurde mehrmals gezeigt, dass alle normalen Welpen mit “perfekten” Hüften geboren werden. Die Hüftgelenke sind bei Geburt knorpelig und werden erst später knochig.

Es ist nicht bekannt, welche Gene für die Vererbung von HD (Hüft Dysplasie) verantwortlich sind.
HD tritt in einigen Rassen und Linien vermehrt auf im Vergleich zu anderen. Dies zeigt, dass es eine genetische Komponente gibt. Bisher haben noch keine Wissenschaftler herausgefunden, welche Gene für die Entwicklung von HD verantwortlich sind.

Umweltfaktoren sind auch wichtig.
Auch wenn es einen genetischen Einfluss auf die Entwicklung von HD gibt, ist die Vererbung von HD eher gering. Mehrere Studien konnten zeigen, dass dieser Einfluss ca. 15-40% ausmacht und der Umwelteinfluss deshalb nicht zu vernachlässigen ist. Deshalb kann nur eine geringe Verminderung von der Entwicklung von HD trotz starker Selektion beobachtet werden.

Hypermobilität ist der Hauptgrund für die Entwicklung von HD.
Hypermobilität tritt auf, wenn der Hüftkopf nicht genau in die Hüftgelenkspfanne passt. Ein traumatischer Unfall, Schädigung des Gelenks durch Übergewicht, zu wenig Muskulatur oder falsche Belastung (z. B. die Beine zusammen zu bringen) können der Grund hierfür sein. Deshalb ist es sehr wichtig, dass die Hüftgelenke stabilisiert werden. Es gibt nämlich keine Beweise, dass der Grund von HD eine Schädigung der Knochen ist, sondern ein Versagen der Muskulatur und anderen weichen Geweben. Dies wird auch dadurch gezeigt, dass HD durch die Stabilität der Hüftgelenke vergrößert, verkleinert und verhindert werden kann.

Das Körpergewicht hat einen GROSSEN Einfluss.
Übergewicht führt zu einer stärkeren Belastung auf das Hüftgelenk. Es konnte gezeigt werden, dass Welpen, die bei der Geburt viel wiegen, oder sehr schnell wachsen, ein deutlich höheres Risiko haben HD zu entwickeln. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Hunde, die auch schon als Welpen 25% weniger Futter erhielten als die Kontrollgruppe, nach vierJahren weniger als 10% HD hatten. In der Kontrollgruppe trat mehr als 30% HD auf. Deshalb ist es sehr wichtig, das Gewicht seines Hundes zu kontrollieren.

Training und Bewegung kann sowohl gut als auch schlecht sein.
Bewegung stärkt die Muskeln und somit wird die Stabilisierung des Hüftgelenks erhöht. Bewegung kann aber auch schlecht sein. Welpen, die auf rutschigem Boden aufwachsen, oder den Zugang zu Treppen vor einem Alter von drei Monaten haben, haben ein höheres Risiko HD zu entwickeln. Im Vergleich hierzu wird das Risiko durch Spaziergänge ohne Leine auf weichem, unebenem Boden (Wald, Park) vermindert. Deshalb haben wahrscheinlich Welpen, die im Sommer geboren werden, ein geringeres Risiko HD zu entwickeln, da sie mehr Möglichkeiten haben, sich draußen natürlich zu bewegen. Auf der anderen Seite wird das Risiko erhöht, wenn regelmäßig Bälle oder Stöcke gejagt werden, besonders für junge Hunde.

Frühes Eingreifen ist entscheidend.
Die Behandlung von HD ist einfacher und erfolgreicher bei jungen Hunden. Wenn die ersten Anzeichen (z.B. Lahmheit bei 4-6 monatigen Welpen, die nach 1-2 Monaten wieder verschwinden, da die Mikrofrakturen geheilt sind) übersehen werden und eine Untersuchung erst deutlich später stattfindet, kann schon ein großer Schaden entstanden sein.