Welpensozialisierung und späteres Verhalten des erwachsenen Hundes gegenüber fremden Hunden und Menschen

Diesen Text habe ich im Rahmen eines Universitätskurses über Verhaltensforschung von Hunden geschrieben:

Heutzutage werden Welpen zuerst vom Züchter und später vom Besitzer sozialisiert indem man mit ihnen einen Welpenkurs besucht, unbekannte Hunde und verschiedene Menschen trifft, ÖPN nutzt, in ein Restaurant geht, die Stadt besucht, … Der Welpe soll viele verschiedene Situationen kennenlernen um keine Angst zu bekommen oder gestresst zu werden und später Verhaltensstörungen zu entwickeln.
Aber stimmt das wirklich? Wann und wie soll man mit der Sozialisierung beginnen? Kann man auch „zu viel“ machen?

Hunde, die nicht im gleichen Haushalt wohnen, kann man entweder zufällig bei Spaziergängen treffen oder bei organisierten Welpentreffen und Hundeveranstaltungen. In einer Untersuchung durch ein Frageformular zeigte sich, dass das Risiko signifikant abnahm, wenn der Welpe erst etwas später fremde Hunde öffentlich getroffen hat (Wormald et al., 2016). Wenn die Welpen fremde Hunde trafen und Angst oder Aggressivität zeigten, war es aber sehr wichtig, dass die Welpen weiterhin fremde Hunde trafen. Gab es keinen weiteren Kontakt mit unbekannten Hunden, war das Risiko, dass der Welpe später aggressiv oder ängstlich gegenüber unbekannten Hunden wurde, 4.4 mal so hoch (Wormald et al., 2016). Andere Faktoren, die das Risiko für eine spätere Aggressivität beeinflussten, waren Alter des Hundes, wo der Hund erworben wurde, Rasse und ob er handgreiflich korrigiert wurde (Wormald et al., 2016).

Eine Studie verglich die Trainierbarkeit einjähriger Hunde, die als Welpen an organisierten Welpentreffen teilgenommen hatten oder nicht (González-Martínez et al., 2019). Wenn die Welpen nicht an den Welpentreffen teilgenommen hatten, war das Risiko erhöht, dass sie später gegenüber bekannten Hunden aggressiv waren, nicht-soziale Ängste entwickelten und ungerne von unbekannten Menschen gestreichelt wurden (González-Martínez et al., 2019). Die Teilnahme an Welpentreffen hatte keinen weiteren Effekt auf das Verhalten der Hunde gegenüber unbekannten Hunden oder Menschen (González-Martínez et al., 2019).
Eine frühere Studie zeigte auch, dass Hunde, die an organisierten Welpentreffen teilnahmen, einfacher waren zu trainieren (Kutsumi et al., 2013). Im Gegensatz zu der Studie von 2019 von González-Martínez reagierten die Hunde, die an Welpentreffen teilnahmen, signifikant positiver auf fremde Menschen als die Kontrollgruppe, die nicht an Welpentreffen teilgenommen hatte (Kutsumi et al., 2013).

Alle Studien zeigen, dass es wichtig ist, dass Welpen sozialisiert werden indem sie vielen verschiedenen Situationen ausgesetzt werden und auch unbekannte Hunde und Menschen treffen. Wenn die Welpen an organisierten Welpentreffen teilnehmen und dort andere Welpen und Menschen in einer sicheren und kontrollierten Umwelt treffen, sind sie später leichter zu trainieren.
Es ist nicht klar, ob Angst und Aggressivität gegenüber unbekannten Hunden oder Menschen durch die Teilnahme an organisierten Welpentreffen abnimmt. Wenn man mit sehr jungen Welpen unbekannte Hunde trifft, kann das Risiko, dass der Hund später aggressiv ist, sogar steigen. Eine mögliche Erklärung ist, dass der Welpe zu früh zu viele oder starke Stimuli erhält und diese negative Erfahrung sich zu einer lebenslangen Angst entwickelt (Malkani, 2019).

Persönlich glaube ich, dass es gut ist an organisierten Welpentreffen teilzunehmen und selbstsichere, für den Menschen bekannte, Hunde zu treffen, wenn der Welpe sich in seiner neuen Familie gut eingelebt hat und eine Bindung aufgebaut hat. Man sollte den Welpen immer im Blick haben und die Stimuli minimieren, wenn er ängstlich, aggressiv oder gestresst wirkt und die Möglichkeit geben, Abstand zu der Situation zu bekommen. Es ist doch sehr wichtig, die Sozialisierung nicht abzubrechen und auf einem Niveau fortzusetzen, die der Welpe meistert.

González-Martínez, Á. et al. (2019) ‘Association between puppy classes and adulthood behavior of the dog’, Journal of Veterinary Behavior. Elsevier Inc, 32, pp. 36–41. doi: 10.1016/j.jveb.2019.04.011.
Kutsumi, A. et al. (2013) ‘Importance of puppy training for future behavior of the dog’, Journal of Veterinary Medical Science, 75(2), pp. 141–149. doi: 10.1292/jvms.12-0008.
Malkani, R. (2019) ‘Resilience in dogs: the importance of early positive socialisation’, Veterinary Ireland Journal, 9(1), pp. 27–29. Available at: http://www.veterinaryirelandjournal.com/images/pdf/small/sa_jan_2019.pdf.
Wormald, D. et al. (2016) ‘Analysis of correlations between early social exposure and reported aggression in the dog’, Journal of Veterinary Behavior: Clinical Applications and Research. Elsevier Inc, 15, pp. 31–36. doi: 10.1016/j.jveb.2016.08.071.